Wo soll die KI laufen? Für Schweizer Unternehmen ist das eine Souveränitäts- und Compliance-Frage, nicht nur eine technische. Dieser Leitfaden ordnet die vier Optionen und hilft bei der Wahl. Er ist keine Rechtsberatung.

Die vier Stufen — nach steigender Souveränität

OptionDatenhoheitTypischer Anwendungsfall
Swiss Hosting (Schweizer Cloud)Daten unter Schweizer Recht, kein US-BetreiberStandard-KMU-Workloads mit Personendaten
Sovereign Cloud (z. B. Swisscom)Schweizer Recht, geprüfte Plattformregulierte Branchen, grössere Skalierung
Self-Hosting (eigene Cloud + KMS)volle Kontrolle über Infrastruktur und SchlüsselBanken, FINMA-Outsourcing, hohe Sensibilität
Lokale Inferenz (on-device)Daten verlassen das Gerät nieBerufsgeheimnis, sensibelste Fälle

Swiss Hosting: Schweizer Anbieter ohne US-Mutter

Mehrere in der Schweiz ansässige Anbieter unterliegen nicht dem US CLOUD Act:

  • Infomaniak — Schweizer Firma, Schweizer Recht, Rechenzentren in der Schweiz; bietet seit 2021 eine vollständig in der Schweiz betriebene Sovereign Cloud (Infomaniak).
  • Exoscale — Schweizer Cloud mit VMs, Kubernetes und Object Storage, auf GDPR/Souveränität ausgerichtet (Exoscale).
  • Swisscom — bietet eine Sovereign Cloud / Swiss-AI-Plattform, laut Anbieter nicht dem US CLOUD Act unterstellt, Daten bleiben unter Schweizer Recht (Swisscom).

Das «Swiss Hosting»-Label der Initiative swiss made software garantiert: Server ausschliesslich auf Schweizer Boden, Betrieb in der Schweiz, keine Investoren ausserhalb der Schweiz — die Daten unterstehen damit ausschliesslich Schweizer Recht (swissmadesoftware.org). Ergänzend prüft das Swiss Digital Trust Label anhand von 35 Kriterien.

Self-Hosting und lokale Inferenz: volle Datenhoheit

Wer die Kontrolle ganz behalten will, betreibt die KI-Plattform selbst:

  • Self-Hosting in der eigenen Cloud (AWS, GCP, Azure oder Schweizer Anbieter) mit eigenem KMS — die Schlüssel verlassen das Unternehmen nie.
  • Lokale Inferenz — das Modell läuft auf dem eigenen Gerät; die Daten bleiben lokal.

osFoundry deckt beide ab: unter dem BYO-Cloud-Modell läuft die gesamte Plattform in der eigenen AWS/GCP/Azure-Umgebung mit eigenen KMS-Schlüsseln, und die Desktop-App erlaubt lokale Inferenz ohne dass Daten das Gerät verlassen. Per BYOK lässt sich darunter ein Modell freier Wahl betreiben — etwa das offene Schweizer LLM Apertus (EPFL, ETH Zürich, CSCS), das mit offenen Gewichten verfügbar ist (ETH Zürich).

Ehrlich bleibt: osFoundry betreibt keine eigene gehostete Schweizer Region — die Souveränität entsteht über Swiss Hosting, Self-Hosting oder lokal.

Die richtige Wahl treffen

Die Frage ist nicht «welcher Anbieter ist am sichersten», sondern «welcher Souveränitäts-Grad passt zu welchen Daten». Marketing-Workloads brauchen oft weniger als Mandats- oder Kundendossiers. dgm beurteilt die Datensensibilität, wählt die passende Stufe und setzt die Architektur um — von Swiss Hosting bis lokal. Den regulatorischen Hintergrund liefern das revDSG und — für Finanzinstitute — die FINMA-Anforderungen.